Excerpt for Der Bodyguard und der Schauspieler by , available in its entirety at Smashwords

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Der Bodyguard und der Schauspieler

Bodyguards Inc. Buch 1

Erste E-Book Veröffentlichung ©2013

Deutsche Übersetzung ©2018

Cover Design: Meredith Russell

Übersetzt von: Chris McHart

Smashwords Edition

ISBN 978-1-78564-128-2

Published by Love Lane Books Limited


Ohne Titel

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Für meine Freunde von den vier Conventions, auf denen ich war… und für die ›ich liebe dich‹ Geschichte. Und, wie immer, für meine Familie.



Inhaltsverzeichnis:

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Epilog


Kapitel 1

»Hey, Blondie.«

Adam Freeman zeigte dem Büroleiter seinen Mittelfinger, als er den bekannten und zutiefst verabscheuten Spitznamen hörte, und ging dann zur Kaffeemaschine. Er war müde und etwas sehr gereizt, und Ross Jackson wusste genau, welche Knöpfe er drücken musste, um Adam aufzubringen. Adam hoffte, dass der Mittelfinger ausreichen würde, um Ross zum Schweigen zu bringen, aber er hatte kein Glück.

»Also ist das wieder so ein Morgen, was?« Ross lachte. Er trat neben Adam und stieß an seine Schulter. Adam fluchte, als ihm heißer Kaffee auf die Hand spritzte. »Und es wird nur noch schlimmer.«

Adam brauchte diesen Kaffee. Seine Wohnung befand sich auf der den Büros von Bodyguards Inc. diametral gegenüberliegenden Seite Londons, und der Verkehr auf der Autobahn war schon so früh am Morgen mörderisch gewesen. Er konnte seinem Haus daran nicht die Schuld geben — eine umgebaute Scheune auf dem Land des Herrenhauses, das Kyle Monroe vor sechs Jahren geerbt hatte. Aber er konnte definitiv jedem verfluchten Pendler in der Stadt die Schuld daran geben, dass er sich durch die Massen kämpfen musste, nur um an dieser Besprechung teilzunehmen.

»Kann etwas schlimmer sein als eine Stunde auf der M25?«, fragte Adam trocken. Doch dann wünschte er sich sehr, er hätte es nicht getan. Ross setzte sich hinter seinen makellos aufgeräumten Schreibtisch, streckte seine langen Beine vor sich aus und legte seine Hände hinter den Kopf, während er sich ausstreckte. Er war das Abbild von Unbekümmertheit und es schien trotzdem so, als wüsste er etwas, das Adam nicht wusste.

»Dagegen ist die M25 nichts. Wir haben eine Anfrage bekommen«, sagte Ross. »Du hast einen Pretty Boy Job.«

Adam schloss die Augen und fluchte. Seine beschissensten Aufträge betrafen das, was Bodyguards Inc. — inoffiziell — als Pretty Boys bezeichnete. Schauspieler, Sänger und, im schlimmsten Fall, Reality-TV-Stars. Sie alle zahlten gut, aber der Umgang mit Prominenten, die mehr Geld als Verstand hatten, weil sie ein ›Star‹ waren, war seine Vorstellung von der Hölle. Himmel, der letzte Job war ein X-Factor Kandidat gewesen, der von Adam verlangt hatte, ihn ›Sir‹ zu nennen. Er hatte Simon Cowells Namen so ausgesprochen, als würde er ihn persönlich kennen. Außerdem war er arrogant, narzisstisch und hatte den IQ einer Schnecke. Adam war froh, dass dieser Job vorbei war.

»Und nicht nur das«, fuhr Ross fort, »es ist ein Science-Fiction-Fantasy-Convention-Auftrag.«

»Convention? Wie bei Trekkies?« Adam konnte nicht glauben, dass er sein Leben so schlecht geplant hatte, dass er von Leuten umgeben sein würde, die falsche Ohren trugen und klingonisch sprachen.

»Nein, eher wie Vampire und so.«

Adam fluchte, und Ross grinste nur. Bastard. »Ist es zu spät, um ein paar Tage krank zu machen?«, fragte Adam.

»Bist du krank, Adam?« Die neue Stimme gehörte Kyle, Chef und Inhaber von Bodyguards Inc. Sein amerikanischer Akzent war so verdammt sexy und Adam erlaubte sich, ihn eine Sekunde lang anzustarren. Adam war fasziniert von Kyles Akzent, und er würde sich von Kyles Stimme und vielleicht auch seinen großen Händen jederzeit verzaubern lassen. Schade, dass der Besitzer von Bodyguards Inc. oder BI, wie Kyle es nannte, so sehr auf Ross stand, obwohl sein persönlicher Assistent sich dieser Tatsache nicht bewusst war.

»Nein. Ich bin nicht krank«, sagte Adam. Es hatte keinen Sinn zu lügen. Kyle erkannte Lügen aus einer Meile Entfernung.

»Ich habe einen Job für dich. Ich vermute, Ross hat dich schon vorgewarnt? Der Star einer amerikanischen Fernsehserie ist für eine Convention in London. Er wurde bedroht, hatte einen Beinahe-Unfall mit einem Auto, das ihn überfahren wollte, und fand auch ein paar Objekte in seinem Wohnwagen am Set.«

»Objekte?«

Kyle sah auf die Liste. »Antike Messer bei zwei verschiedenen Gelegenheiten, vier Lieferungen von roten Rosen mit intakten Dornen und einem Dildo.«

»Also geht es um Sex?« Adam war nicht überrascht. Schauspieler waren nicht für hohe moralische Standards bekannt. Der Typ hatte wahrscheinlich mit zu vielen Leuten geschlafen und war auf jemanden gestoßen, der ein wenig geistesgestört war. Das rechtfertigte trotzdem nicht, dass der Mann terrorisiert wurde, also konzentrierte sich Adam auf den Rest der Besprechung.

»Die Produktionsfirma hat entschieden, dass er Schutz braucht, und zwar vom Flughafen zum Hotel, während der Convention und danach wieder zum Flugzeug. Übergabe wäre nach einer Woche in den USA. Ab diesem Freitag zehn Tage bis zum nächsten Montag. Gutes Geld. Willst du den Job?«

Adam zog seine Optionen in Betracht. Wenn er die Erinnerungen an frühere Aufträge mit ähnlichen Kunden einfach vergessen könnte, gäbe es kein Problem. Er dachte kurz daran, dass er vielleicht nachfragen sollte, ob er etwas anderes tun könne.

»Keine Chance auf einen netten Job in der Industrie? Oder vielleicht könnte ich eine Woche mal am Schreibtisch arbeiten?« Der Witz ging ins Leere, als Ross bei dieser Frage seine Augen zusammenkniff. Niemand kam in die Nähe seines Tisches. Das war Ross’ Gebiet und niemand hatte dort etwas zu suchen.

Kyle schüttelte den Kopf. »Sorry, Alter. Das ist heute der einzige neue Auftrag in den BI-Büchern. Nun, nicht direkt der einzige, aber Ed und Lorna haben schon beide Pretty Boy abgelehnt. Also ist es hauptsächlich deine Entscheidung. Wenn du es machen willst, sag es, sonst sage ich seinem Managementteam ab.« Kyle wartete geduldig auf eine Antwort. Er gab sich völlig ernst und sachlich.

»Warum wollte sonst niemand den Job?«, fragte Adam. Was er gerade gehört hatte, machte ihn misstrauisch. Kyle öffnete den Mund und schloss ihn dann wieder. Offenbar waren die Gründe der anderen beiden Personenschützer keine guten. Ross mischte sich in die Unterhaltung ein, um bei der Entscheidung zu helfen.

»Lorna hat gerade einen Einsatz beendet und braucht ein paar Tage, um sich zu erholen«, erklärte Ross. Als würde das erklären, warum sie einen der Aufträge abwies, die sie am liebsten machte.

»Ich habe auch gerade einen Auftrag beendet«, protestierte Adam. Ein Auftrag mit einem Idioten, zwei Waffen, einer Kiste voller Whisky und einer Woche Autofahren, quer durch das ganze Land. Überhaupt kein toller Auftrag.

»Ja«, sagte Ross trocken, »aber auf dich wurde nicht geschossen, Adam. Auf sie schon.«

»Fadenscheinige Ausrede. Die Kugel hat sie nicht wirklich getroffen«, sagte Adam lachend. Galgenhumor funktionierte in solchen Situationen immer am besten. Er mochte Lorna sehr; die temperamentvolle Rothaarige war lustig und verdammt gut in ihrem Job. Niemand wollte ihr etwas antun. Nun, abgesehen von ihrem Ex, der eine einstweilige Verfügung erhalten hatte. »Was ist mit Ed?« Er wusste, dass er sich an Strohhalme klammerte. Ed war länger als er bei BI beschäftigt. Er arbeitete seit der Eröffnung des Unternehmens vor sechs Jahren für Kyle.

»Ed sagte, und ich zitiere: ›Ich kann nicht mit schreienden Fans umgehen‹.« Ross zuckte mit den Schultern. »Du weißt, dass er viel zu alt und mürrisch ist, um schreiende Frauen auszuhalten.«

»Er ist so alt wie ich«, bemerkte Kyle. Er klang beleidigt und Adam verbarg ein Lächeln.

»Siehst du? Alt«, scherzte Ross. Adam beobachtete die Interaktion mit Interesse. Seinen Chef hatte es echt erwischt und Adam fragte sich, wie Ross den Schmerz in Kyles Augen bei diesem Kommentar nicht sehen konnte. Kyle war fünfunddreißig oder so, und Ross war erst fünfundzwanzig... trotzdem war das Alter in Adams Augen eine irrelevante Sache. Ross verpasste etwas; Kyle war ein guter Mann.

»Ich nehme den Job an«, sagte Adam, nur um die Spannung zu durchbrechen. Ja, er würde das tun. Das war sein Job. Zehn Tage würde er überleben. Kyle riss seinen Blick von Ross los und hielt die Mappe mit den Informationen, die Adam brauchen würde, hoch. Die Annahme der Mappe war die stillschweigende Vereinbarung, dass er den Auftrag annehmen würde.

Kyle verschwand in seinem Büro und schlug die Tür hinter sich zu. Sein Schmerz folgte ihm wie eine Wolke. Ross blickte nicht einmal von seinem Schreibtisch auf.

»Warum tust du das?«, fragte Adam.

»Was tue ich?«, antwortete Ross. Die Frage wurde von einem unkonzentrierten Stirnrunzeln begleitet.

»Kyle mit seinem Alter aufziehen.«

Ross schnaubte. »Es ist nur ein Witz. Das ist ihm doch egal. Wie auch immer, der andere Computer ist frei.« Offensichtlich war die Diskussion vorbei. Ross vergrub sich in der Arbeit und ließ Adam mit dem weitermachen, was er tun musste.

In den Mappen, die Ross erstellte und die Kyle verteilte, gab es immer eine streng professionelle Einweisung. Eine gute Google-Suche brachte jedoch oft Elemente hervor, die in dem Fall nützlich waren. Adam hatte vier Tage Zeit, bis das Flugzeug seines Klienten in London Heathrow landete, also öffnete er die Mappe, um das Fundament für den Auftrag zu legen.

Selbst er konnte nicht anders, als seine Augenbrauen anzuheben, als er den Mann sah, den er beschützen sollte. Logan Brady war erstklassiges Pretty Boy-Material. Neunundzwanzig. Braunes Haar. Schauspieler. Das waren die Grundlagen. Adam sah sich das Foto an; er war sich nicht sicher, ob es nur die Druckauflösung war, aber Logans Augen waren wirklich atemberaubend und von einem unglaublich hellen Blau. Sein Haar war leicht gelockt und fiel in einem dieser kurzen, wuscheligen Schnitte. Er lächelte nicht auf dem Foto. Es war eine typische Aufnahme, die für die Werbung verwendet wurde, bei der er ernst auf irgendetwas abseits der Kamera starrte. Etwas Rotes war an seinem Mund, also kratzte Adam auf dem Foto herum. Nein. Das war nicht das Foto. Das Lesen der Bildunterschrift erklärte es. Night Cop - Vampir, Cop. Bruder, Liebhaber. Killer, Held. Isaac.

Okay. Also spielte Logan Brady einen Typen namens Isaac in einer dieser allzu beliebten Vampire-sind-cool-Shows, gemischt mit einer Art Cop-Show. Er war wirklich eine Augenweide. Zumindest dieser Teil wäre während der nächsten zehn Tage extrem einfach zu handhaben sein.

Beim Durchblättern der Unterlagen zog Adam Fotos von seiner Freundin heraus, einer blonden, grünäugigen Schönheit, die sich auf den Fotos an Logans Arm klammerte wie eine Schnecke an einen Felsen. Logan lächelte auf keinem der Fotos. Ob Paparazzi- oder Studioaufnahmen, er schien den patentierten coolen-Vampir-Blick für alle zu verwenden. In Adams Augen sah er nur ständig angepisst aus. Aber so etwas gefiel den jungen Mädchen vermutlich.

Eine schnelle Suche förderte viele Bilder zu Tage — sowohl den gleichen Vampir-Charakter als auch andere, die zehn Jahre zurücklagen, als Logen in einer Art Teenager-High-School-Show mitgespielt hatte. Adam war weder up-to-date, was Kindersendungen anging, noch sah er sich, um fair zu sein, irgendetwas an, was mit Vampiren zu tun hatte. Aber Himmel, wenn alle Filmsternchen wie dieser Kerl aussahen, dann könnte er seine Meinung noch ändern. Es schien, als würden Vampire und angepisste Gesichter gutes Geld bringen; Bilder von Logans Domizil zeigten ein kleines Häuschen in den Bergen von LA, zumindest behauptete das die Bildunterschrift. Es gab Paparazzi-Aufnahmen von Logan in seinem Garten, Logan beim Essen, Logan beim Schwimmen, Logan beim Einkaufen. Gott, Adam wäre nicht überrascht gewesen, wenn er auch Bilder von dem Schauspieler gefunden hätte, wie der auf der Toilette saß.

Dass die Paparazzi so viele Fotos von diesem Fernsehstar machten, war für Adam keine Überraschung. Mehr als drei Viertel der BI-Fälle betrafen Personen des öffentlichen Lebens, Schauspieler, Politiker, die britische Aristokratie und viele andere hochrangige Personen. Adam hatte nie verstanden, wie man damit umging, so im Rampenlicht zu stehen, aber er ging davon aus, dass Geld es erträglicher machte.

Die Informationen über den Vorfall mit dem Auto waren vage. Das Internet bot nichts anderes als Klatsch und Tratsch. Anscheinend hatte ein Autofahrer die Kontrolle verloren und war über die Straße gerast, hatte auf die Mauer zugehalten und war neben Logan zum Stehen gekommen. Entweder war der Begriff ›Unfall mit Fahrerflucht‹ bei dieser Gelegenheit nicht angemessen, oder die Journalisten hatten nicht die ganze Geschichte mitbekommen. Adam vermutete Letzteres, da die Produktionsfirma ihren Star nun in Watte packen wollte.

Ross kam herüber und legte Blätter neben die geöffnete Mappe. Er runzelte die Stirn. Verschwunden war der Mann, der ihn Blondie nannte. An seine Stelle war ein ernsthafter Ross mit konzentriertem Blick getreten.

»Logan Bradys Manager schickte Kopien der Briefe, die Logan erhalten hat. Klingt nicht gut. Sie sind alle an Isaac adressiert«, sagte er.

»Die Rolle, die er in der Show spielt«, bestätigte Adam.

»Ja. Es gibt auch noch mehr Informationen über den angeblichen Unfall. Logan hatte verdammt viel Glück, dass er nicht zu einem Sandwich zwischen zwei oder drei Tonnen SUV und einer massiven Ziegelwand geworden ist.« Er entfernte sich ohne weiteren Kommentar, und Adam blätterte neugierig die Briefe durch.

Einzelne Worte sprangen ihm von den verschiedenen Blättern entgegen; Liebe und Hass und all die Emotionen dazwischen. Promis wurden die ganze Zeit bedroht; es war fast schon normal, dass man, wenn man erst einmal ›Jemand‹ war, die Verrückten nur so anlockte. Der letzte Fall, an dem er für die Metropolitan Police gearbeitet hatte, war ein Stalker-Fall gewesen, und die Klientin beklagte, dass sie genauso oft Drohungen erhielt wie sie Heiratsanträge bekam.

Diese Briefe hier waren gut formuliert, die Grammatik stimmte, sie waren ordentlich abgefasst, und Adam speicherte diese Informationen als möglicherweise nützlich ab. Was den Inhalt anging, gab es böse, hasserfüllte Prosa in einem, Liebeserklärungen im nächsten, alle in derselben Schrift und unterschrieben mit den Initialen IR. Drohungen, Logan wegen einer Beziehung zu einer Annabelle umzubringen? Adam durchforstete die Unterlagen. Annabelle war nicht seine Freundin. Eine Vermutung ließ ihn die Showeinträge überprüfen. Annabelle war die Heldin von Logans Bad Boy in der Show, gespielt von einer Schauspielerin namens Marissa.

Also drückte derselbe Typ, der in einem Brief seine Liebe zu Logan bekundete, im nächsten seinen ebenso bösartigen Hass aus, weil Logan in seiner Filmrolle Annabelle in einer Episode geküsst hatte. Großartig, also hatte er es mit einem total Irren zu tun, der Probleme hatte, die Realität zu begreifen. Die Details, die Ross ihm in Bezug auf die Sache mit dem Auto gebracht hatte, waren viel aussagekräftiger als die, die Adam im Internet fand, und er verbrachte eine Weile damit, sich die Fotos anzusehen. Hätte das Auto keine Straßenlaterne getroffen, wäre Logan schwer verletzt worden. Der Fahrer war entkommen, aber die wenigen Zeugen vor Ort hatten eine kleine, schlanke Frau mit blondem, hüftlangem Haar gesehen, die vom Tatort floh. Es gab auch keine Bilder von Überwachungskameras. Anscheinend wollte Logans Produktionsfirma die Sache unter Verschluss halten.

Es gab keinen Hinweis darauf, dass Adam in den USA einen Bodyguard hatte. Warum vermutete der Manager des Mannes, dass er bei seinem Besuch in Großbritannien einen brauchen würde? Die Wahrscheinlichkeit, dass der Täter Adam von den USA bis hierher folgte, war gering. Dann kam er zum letzten Brief im Stapel. Ein einfacher Brief mit zwei Sätzen, der so ordentlich geschrieben war, dass es ein Schock war, die Worte zu lesen:

»Ich werde auf der Convention in London sein. Ich kann es kaum erwarten, den Mann zu treffen, der meine zweite Hälfte ist.«

Ah. Das erklärte, warum er einen Bodyguard brauchte.

»Hat er in den USA einen Bodyguard?«, fragte er Ross.

»Irgendein Fahrer passt auf ihn auf, aber die Firma nimmt es sehr ernst und hat jemanden für die Übergabe in L.A. angeheuert.«

»Und die Polizei? Haben sie Logan Brady unter Beobachtung?«

»Nein. Der Agent sagte, die Polizei hielte das alles für ungefährlich. Noch.« Adam wusste, warum die Polizei so dachte — jeder Stadtteil hatte seine Art von Kriminalität, und in LA waren es Verbrechen gegen Schauspieler.

Er kannte das Gefühl, zu jemandem sagen zu müssen: »Es tut mir leid, aber bis es Beweise gibt, bis jemand verletzt wird, können wir nichts tun.« Dennoch waren diese Notizen ziemlich spezifisch in Bezug auf das, was sie aussagten. BI übernahm oft Fälle, in denen die Opfer nicht wollten, dass die Polizei eingeschaltet wurde. Das war nichts Neues.

»Wie auch immer, keine Cops. Wer auch immer Pretty Boys Lohn bezahlt, er will, dass es geheim bleibt. Ein verwundbarer Schauspieler zerstört den Eindruck eines ›heldenhaften Vampir-Cop‹ und die Show ist, ich zitiere, ›zur Erneuerung anstehend‹.«

»Ein toter Schauspieler trägt auch nicht viel zur Erneuerung bei«, sagte Adam trocken.

»Ich habe in die Initialen IR überprüfen lassen; die Organisatoren der Convention haben kooperiert, aber niemand auf ihren Listen hat diese Initialen. Es ist eine Mischung aus britischen, europäischen und amerikanischen Fans, die an der Convention teilnehmen. Die Briefe kamen aus dem Vereinigten Königreich und konnten zu einer East London PO Adresse in Greenwich zurückverfolgt werden, so dass es jeder sein könnte, der bereits hier ist. Keine Adresse in der Convention-Datenbank stimmt jedoch damit überein. Es sind vierzehnhundert Teilnehmer. Das sind jede Menge Leute, und fünfundachtzig Prozent davon sind Frauen.«

Adam blickte auf die Briefe. Trotz dieser Statistik wäre es dumm, einfach anzunehmen, dass eine Frau die Briefe geschrieben hatte. Es gab auch keine Beweise dafür, dass derjenige, der sie geschrieben hatte, den Wunsch hatte, Logan mit dem Auto zu verletzen. Noch passte nichts zusammen und man konnte nicht einfach ein ganzes Geschlecht aus der Ermittlung ausschließen.

Ross fuhr fort: »Logan Brady wohnt im Upton Levington Manor Hotel. Es ist eine Suite mit drei Schlafzimmern, also übernachtest du dort. Ich habe sie von heute Abend an gebucht, damit sich derjenige, der den Auftrag übernimmt, darum kümmern kann.«

Adam schloss den Ordner und klopfte ihn einmal auf dem Schreibtisch auf, um das Papier auszurichten. Das bekannte aufgeregte Summen schoss durch ihn hindurch. Einen Job zu bekommen war immer eine gute Sache. Wie auch immer der Auftrag lautete.

»Viel Glück mit deinem Pretty Boy, Blondie«, rief Ross, als Adam ging. Ein Mittelfinger an seinem Freund war ein schöner Abschluss des Besuches. Er lächelte immer noch, als er sein Auto erreichte, weil er es geschafft hatte, Ross’ Tacker wieder zu verstecken. Wann würde der Mann lernen, das verdammte Ding irgendwo hinzulegen, wo Adam es nicht sehen konnte?


Kapitel 2

»Du weißt, warum es schlecht ist, einen Bodyguard zu haben, Jimmy.« Logan sank in die Ecke des SUV-Sitzes, presste das Telefon ans Ohr und schloss die Augen. Wie hatte das passieren können? Die Briefe begannen wie Millionen andere auch, die er erhielt. Einfach und direkt sprachen sie von unsterblicher Liebe und enthielten sehr oft auch ein Spitzenhöschen oder ein anderes Kleidungsstück. Er hatte persönliche Einladungen zu Hochzeiten von unzähligen Mädchen oder Jungen erhalten; Gott, er hatte sogar Briefe, in denen behauptet wurde, er sei der Vater von Babys. Nichts war so beunruhigend wie diese Briefe hier, aber andererseits war die Person, die sie schickte, wahrscheinlich geisteskrank oder sowas. Meistens war das alles harmlos. Daran musste er denken, sonst würde er vor seinem eigenen Schatten erschrecken.

»Bodyguards Inc. sind die Besten, Logan, und sie sind sehr diskret. Ich schicke die Briefe zu dem Mann, der sich um dich kümmert. Er ist offenbar der geeignetste für dich. Er hat schon mit vielen Promis gearbeitet. Denk daran, dass ich viel Geld für den Besten bezahle.«

»Du bezahlst? Meinst du nicht, dass ich bezahle?«, schnappte Logan. Er bedauerte sofort den barschen Ton in seiner Stimme. Im Gegensatz zu vielen Agenten war Jimmy ein guter Kerl. »Entschuldigung. Ich bin nervös.« Jimmy entschied sich, den Ausbruch zu ignorieren; er war geübt darin, das zu tun.

»BI hat einen guten Ruf. Ich kenne einen, der den Bruder eines Cousins von dem Mann, dem das Unternehmen gehört, kennt.«

Logan musste lachen. Jimmy kannte alle aufgrund eines riesigen Netzwerkes. Eine Bodyguard-Agentur über den Freund eines Bruders des Cousins zweiten Grades zu finden, das war nichts Ungewöhnliches für einen erfinderischen Mann wie Jimmy.

»Jedenfalls«, fuhr Jimmy fort, »haben wir auch einen neuen Bodyguard, der anfängt, kurz nachdem du aus Großbritannien zurück sein wirst. Dein Engländer wird mit dir in die Staaten kommen, um das zu tun, was sie eine Übergabe nennen. Ich vermute, dass sie Unterlagen und Aufzeichnungen austauschen wollen.«

»Warum kann der US-Bodyguard nicht jetzt anfangen und einfach mitkommen?«

»Weil er erst am Monatsersten anfängt und der Sender will, dass du jemanden mit Ortskenntnissen bei dir hast, wenn du in England bist. Dieses BI ist mehr als kompetent. Und vergiss nicht, dass Mike bis dahin auf dich aufpasst.«

»Großartig.« Logan fühlte sich müde und war kurz davor, die Reise nach Großbritannien abzusagen. Wenn es nicht um die Fans ginge, die er dann im Stich lassen würde, hätte er das vielleicht schon längst getan.

»Stacia will mitkommen. Sie wird dich unterstützen. Es wird nichts anderes sein als alle anderen Reisen. Spiel einfach den glücklichen Freund und lass sie ihr Ding machen, und lass den Bodyguard seine Arbeit machen.«

»Ich nehme Stacia nicht mit. Ich werde sie nicht in Gefahr bringen.« Er hatte schon mindestens ein Dutzend gemeinsame Einladungen abgelehnt und so damit begonnen, Abstand zwischen sich und Stacia zu bringen. Sie war in Sicherheit.

»Ich glaube nicht, dass deine Entscheidung zählen wird, wenn sie ihren Willen durchsetzen kann«, betonte Jimmy.

»Wir haben uns unterhalten...« Logan wusste nicht recht, wie er es ausdrücken sollte. »Stacia und ich, meine ich. Sie sagte, dass Bryan die Sache nicht besonders gut aufnimmt. Er meint, es würde ihre Beziehung stören, und dass er sie liebt. Er hat ihr letztes Wochenende mehr oder weniger einen Antrag gemacht. Die Zeit ist gekommen, um die Sache mit ihr zu beenden.« Bryan war ein guter Kerl, ein Polizist, der Stacia verehrte. Er war die letzten sechs Monate verdammt geduldig gewesen, seit er und Stacia sich kennengelernt hatten. Sie mussten ihre Beziehung geheim halten, nur damit Stacia den Leuten vormachen konnte, sie sei mit Logan zusammen.

Jimmy seufzte. »Das weiß ich. Sie rief mich an, sobald er sie gefragt hatte. Sie wird mit dir zusammen in London sein, aber nach der Convention müssen wir wahrscheinlich jemand anderen finden. Rede mit ihr, Logan, finde heraus, wie sie es regeln will. Eine diskrete Trennung in Etappen, die wir dann ins Internet stellen können, sollte funktionieren.«

Angst regte sich in Logan, da sich sein geordnetes Leben verändern würde. Stacia war seit drei Jahren offiziell seine Freundin. Die blonde Schönheit war die perfekte Tarnung für ihn und bildete die Mauer zwischen dem, was er war und dem, was er die Leute sehen ließ. Sie hatten sich durch die Show kennengelernt. Von Night Cop hatte gerade die zweite Staffel begonnen und sie war ein paar Episoden lang der Bösewicht der Serie. Sie war eine gute Freundin und kannte alle seine Geheimnisse.

Und er hatte ihr viel geholfen, sie war die Karriereleiter hochgestiegen, dadurch dass sie ›zusammenkamen‹. Sie hatte gerade eine große Rolle in einer neuen Komödie bekommen. Es musste ein Happy End für sie geben, sie verdiente eine tolle Karriere und einen Mann, der sie liebte.

»Matt muss sich nicht verstecken«, sagte Logan. Er konnte die Trauer in seinem Ton nicht verbergen. Er wollte auch das, was Schauspieler wie Matt Bomer hatten. Einen Partner, den er wirklich lieben konnte, vielleicht eines Tages sogar Kinder, aber trotzdem in der Lage sein, das zu tun, was er liebte — als Schauspieler zu arbeiten. Eine neue Freundin zu finden, die ihm half, seine Tarnung für die Öffentlichkeit aufrechtzuerhalten, das war ihm zu anstrengend, und er hasste das Lügengebäude.

»Dann musst du eine Entscheidung treffen«, sagte Jimmy geduldig. Logan konnte wahrscheinlich Wort für Wort zitieren, was sein Agent und engster Freund sagen wollte. »Deine Entscheidung ist ganz einfach. Sei ehrlich zu dir selbst und zu allen anderen, dann steh zu dem, was als nächstes passiert. Du weißt, was auch immer du entscheidest, es wird immer Arbeit für dich geben, und ich werde dir bei allem, was du tust, den Rücken stärken.«

»Ich weiß, dass du das wirst, J, und ich liebe dich dafür, Mann. Es ist nur ... ich gehe auf die Dreißig zu und ich habe keine Ahnung, welche Art von Rollen es für mich noch geben wird, wenn ich älter werde und ich mich oute. Ich bin mir nicht sicher, ob ich dann noch Arbeit als der ›Sexgott‹ bekomme, als den die Boulevardzeitungen mich bezeichnen.«

»Du brauchst das Geld nicht«, sagte Jimmy. »Du kannst tun, was du willst, Regie führen, wieder zur Schule gehen. Verdammt, Lo, du spielst allen etwas vor, seit du vierzehn bist, öffentlich und privat. Bist du noch nicht bereit dazu, du selbst zu sein?«

»So einfach ist das nicht. Ich kann mich einfach nicht entscheiden, ob ich mich outen soll.«

»Du kannst es. Es ist sehr einfach.«

»Was sagst du da, Jimmy? Dass ich jetzt eine Entscheidung treffen soll? Ich habe so lange etwas vorgetäuscht und mich versteckt ... und was ist mit Stacia? Es wird peinlich für sie werden, sie wird gedemütigt.«

Jimmy kicherte. »Wir sprechen hier von Stacia. Sie hat Eier aus Stahl und sie will nur, dass du glücklich bist. Wir können das auf tausend verschiedene Arten machen. Ich behaupte, du seiest bisexuell, und greife auf die Ausstiegsklausel in deinem Vertrag wegen ›moralischer Bedenken‹ zurück. Du kannst dir eine Auszeit nehmen und entscheiden, was du wirklich willst. Und, Lo, denk dran ...«

»Was?«

»Dreißig ist ein gutes Alter, um deinem Leben eine neue Richtung zu geben.«

Logan beendete den Anruf und wechselte zu seinen E-Mails. Die Mail von Jimmy mit den Details der Bodyguard-Firma befand sich ganz oben auf der Liste und er klickte auf den Link, um das angehängte Foto zu sehen. Seine Augen weiteten sich, als er den süßen Blonden auf dem Foto sah. Naja. Süß könnte das falsche Wort sein. Der Mann sah streng aus, er lächelte nicht, und Logan konnte die Augenfarbe des Mannes nicht erkennen. Aber der Körper und das Gesicht waren in Ordnung.

Zumindest würde sein Bodyguard eine Augenweide sein, wenn er von einer Million schreiender weiblicher Fans umzingelt war. Das Dokument beschrieb Logan als einunddreißig, blond, braune Augen, 1,78 m, Ex-Cop, Spezialist im Nahkampf. Braune Augen, hmm? Logan liebte braune Augen. Und mit diesem Kerl hätte er auch nichts gegen einen kleinen Nahkampf.

Sie kamen am Studio an. Die abgedunkelten Fenster in Verbindung mit dem weniger bekannten Hintereingang zum Studio bedeuteten, dass er nicht gesehen wurde. Er liebte seine Fans; ohne sie wäre er nicht da, wo er war, und er bezweifelte, dass Night Cop sonst nach der ersten Staffel verlängert worden wäre. Jetzt, in der fünften Staffel, konnte er sich wirklich glücklich schätzen, dass die Show eine so treue Fangemeinde hatte. Es war nur ... einige der Fans waren wirklich aufdringlich, und obwohl er 1,82 m groß war und verdammt schnell rennen konnte, machte es ihm Angst, wenn eine große Gruppe schreiender Mädchen und Jungs vor ihm auftauchte.

»Alles klar da hinten, Logan?«

Logan nickte seinem Fahrer zu. Mike war einer der wenigen Leute, abgesehen von Jimmy, die den echten Logan kannten, und die lange Fahrt von zu Hause zum Studio, nur umgeben von Drehbüchern, hatte mehrere lange Gespräche mit dem kräftigen Fahrer hervorgebracht. Jimmy hatte Mike persönlich ausgewählt, und normalerweise wäre Mike mit ihm nach England geflogen, aber seine Tochter bekam ein Baby. Logan würde Mike auf keinen Fall die Erfahrung nehmen wollen, für seine Tochter da zu sein. Sie war schon sechs Tage über den Termin, und das Baby würde nicht mehr lange auf sich warten lassen. Wenn sie das Baby rechtzeitig bekommen hätte, würde Mike mit ihm kommen, könnte die Mauer zwischen ihm und den Fans bilden. Andererseits war Mike kein ausgebildeter Bodyguard, er war nur ein großer Kerl mit einem weichen Herzen.

»Ich organisiere nur die Reise nach London«, antwortete er und schwenkte sein Telefon. Mike nickte in den Spiegel. Der SUV parkte neben einer ganzen Reihe ähnlicher Fahrzeuge, und als er den Motor abgestellt hatte, drehte sich der Fahrer in seinem Sitz um.

»Hat Jimmy einen guten Mann gefunden?« Mike sah besorgt aus.

Logan erinnerte sich an die Details über Adam Freeman. Nicht an die Tatsache, dass er 1,78 Meter groß war, mit braunen Augen und blonden Haaren, sondern an das, was Mike wissen wollte, an die Tatsache, dass der Typ dafür qualifiziert war, auf ihn aufzupassen.

»Adam Freeman, Brite und ehemaliger Polizist, kommt von einer Art Spezialeinheit aus London, Anti-Terror oder so. Er ist Nahkampfspezialist und offenbar gut in seinem Job.«

»Ein englischer Jack Bauer.« Mike grinste.

Einen Sekundenbruchteil tauchten seine häufig verwendeten Jack Bauer-Fantasien in Logans Gedanken auf, aber er schob sie rücksichtslos zur Seite. »Würde ich mir wünschen.«

Sie lächelten sich an. Sie hatten das ganze ›Ich wünschte, ich könnte mitkommen, tut mir leid, dass ich dich enttäuscht habe‹ — Gespräch gehabt und sie brauchten nichts weiter zu sagen. Logan stieg aus dem SUV aus.

»Bis später«, sagte er. Mike winkte zum Abschied und fuhr davon, um das Auto zu parken. Logan schlenderte durch das Labyrinth von kleinen Gebäuden, in Richtung Parzelle Nummer fünf und begrüßte jeden, den er traf. Die L.A.-Sonne begann die Luft aufzuheizen, und er zog seine Jacke aus. Heute war der letzte Drehtag von Episode 10 und sie würden bis spät in die Nacht draußen drehen. Das war es, was er brauchte, harte, anstrengende Kampfszenen im Dunkeln bei künstlichem Regen. Zumindest würde er so die Briefe und die Tatsache vergessen, dass Jimmy recht hatte. Er hatte in ein paar Wochen ein Treffen mit seiner Produktionsfirma und musste diese Zeit nutzen, um über seine Zukunft nachzudenken. Er schuldete es sich selbst, er schuldete es Stacia, und er schuldete es der Show.

Jimmy würde ihn bei allem unterstützen, was er vorhatte. Das war von unschätzbarem Wert. Wenn sich Logan als schwul oder bi, oder was auch immer sich Jimmy für ihn einfallen ließ, outete, dann konnte er wenigstens aufhören zu lügen. Er musste aber vorsichtig dabei vorgehen. Stacia könnte ohne eigenes Verschulden unter den Folgen leiden und er wollte nicht, dass sie in irgendeiner Weise verspottet würde.

»Logan, du musst ins Make-up, ich habe dich in 20 Minuten mit Teresa.« Ein gehetzter Assistent huschte mit einem Klemmbrett in der Hand rüber. »Wir brauchen die Wunden nach dem Kampf und Tattoos und wir brauchen sie in zehn.«

Und so ging es los.


Kapitel 3

Adam saß herum, trank halbwegs genießbaren Kaffee und beobachtete die Leute. London Heathrow war ein riesiger Flughafen, der sich so ausbreitete, wie Flughäfen eben wuchsen. Adam wartete im VIP-Bereich und konnte die Umgebung ohne großen Aufwand im Auge behalten, aber er war trotzdem immer wachsam. Das Flugzeug sollte um zwei Uhr landen, und er würde um zwei Uhr dreißig den Mann treffen, für den er die nächsten zehn Tage verantwortlich war.

Er hatte bereits verschiedene Gruppen mit Night Cop T-Shirts gesehen, die mit Mobiltelefonen durch den Flughafen huschten und alle einen Blick auf Isaac, alias Logan ›Sexgott‹ Brady, werfen wollten. Zum Glück durften sie nicht in den VIP Bereich, und als sich die Türen öffneten und die Passagiere der First Class ausstiegen, war Adam noch nie dankbarer gewesen, dass er sich in einem separaten Raum befand.

Er erkannte Logan sofort und war in Sekundenschnelle an seiner Seite. Das Internet wurde dem Mann nicht gerecht. Er war hübsch, nein, eigentlich wunderschön. Nur ein festes, kantiges Kinn und ein Zweitagebart milderten das stechende Blau seiner Augen. Er war schlank und mit lockeren Jeans und einem roten Hemd bekleidet. Er sah müde und distanziert aus.

Anstatt sich wie ein Bodyguard zu fühlen, konnte Adam nur an die verdammten Kornblumenaugen denken. Dazu kam eine ungewohnte Anziehungskraft für einen Klienten. Er hatte den plötzlichen, ihn schier überwältigenden Wunsch, dass die Internet-Gerüchte, dass Logan Brady schwul sei, wahr seien und nicht die fieberhaften Vorstellungen von einer Million Fangirls. Ihm eine Hand entgegenstreckend, stellte er sich vor.

»Ich bin Adam Freeman, Mr. Brady, Ihr persönlicher Assistent für diesen Aufenthalt«, sagte er. Das war der Titel, den ihm das Studio für die Zeit hier verliehen hatte. PA, persönlicher Assistent des Schauspielers. Es hat keinen Sinn, die ganze Bodyguard-Todesdrohung-Stalker-Geschichte aufzubauschen. Was auch immer. Adam war es egal, wie er genannt wurde, solange er seinen Job machen konnte und Logan ohne allzu viel Ärger wieder auf US-Boden brachte. Logan blinzelte ihn mit diesen blauen Augen langsam an und ergriff dann die angebotene Hand.

»Nennen Sie mich Logan«, stellte er sich vor. Er lächelte und sah Adam abschätzend an. Dann schien er zu bemerken, was er tat, und verschloss sich sofort wieder. Er errötete ein wenig und blickte zum Ankunftsbereich hin, scheinbar unfähig, Adam in die Augen zu sehen.

Hatte Logan ihn gerade abgecheckt? Interessant. Adam erinnerte sich nicht daran, etwas Konkretes über ein Sexleben gelesen zu haben, wenn es um den Schauspieler ging. Nur, dass sich viele Fans wünschten, Logan hätte etwas mit einem Co-Star in der Show, Robert... wie-auch-immer. Slashing nannten sie es. Adam hatte sogar einige der seriöseren Artikel gelesen, die sich auf Logan zu konzentrieren schienen, wie dieser Robert fickte, welcher auch sehr ansehnlich war.

Niemand sonst hätte den Blick deuten können. Höchstwahrscheinlich aber reagierte Logan nur instinktiv, da auch Adam den Schauspieler abcheckte.

Adam zwang sich, damit aufzuhören, Logan als etwas anderes als einen Klienten zu betrachten, und ging zur zweiten Stufe über, um Logan gut vom Flughafen wegzubringen. »Wir haben uns um Ihr Gepäck gekümmert...«

»Moment«, unterbrach Logan. Logan wandte sich einer Blondine an seine Seite zu. Breit lächelnd ergriff Logan fest die Hand der Frau. »Das ist meine Freundin Stacia Monet.« Die statuenhafte Frau bot ein strahlend weißes Lächeln und schüttelte Adams Hand. Adam erkannte sie dank seiner Google-Expertise sofort. Okay, also hatte niemand Adam verraten, dass die Freundin ein Teil dieses Pakets war. Er bezweifelte, dass es Ross’ Schuld war. Großartig. »Ich wusste nicht, dass Ms. Monet mitkommt«, sagte er so ruhig er konnte.

»Es war in letzter Minute«, verteidigte sich Logan schnell.

»Das könnte die Sache etwas komplizierter machen«, betonte Adam. Einfach durch die Tatsache, dass sie zwei Mal in unterschiedlichen Briefen erwähnt worden war und genauso in Gefahr war wie Logan. Außerdem, wie zum Teufel sollte Adam beide im Auge behalten, wenn sie verschiedene Aktivitäten unternahmen? Er brauchte noch jemanden von BI, der ihm half.

»Das ist kein Problem«, sagte Logan. Die Stimme des Schauspielers klang mehr als ein wenig unsicher, aber Adam kommentierte das nicht. Adam war derjenige, der entscheiden musste, ob alles in Ordnung war oder nicht, und er beschloss, so schnell wie möglich bei Ross anzurufen. Mit einem entspannten Gesichtsausdruck sagte er: »Wir haben dafür gesorgt, dass Ihr Gepäck zum Hotel gebracht wird. Wenn Sie bitte mitkommen würden.« Adam führte sie zu einer Seitentür und zu einem dort wartenden Auto. Wie nach einer unausgesprochenen Vereinbarung saßen sowohl Logan als auch Stacia hinten. Adam passte das sehr gut, er musste sich konzentrieren und Logan würde, obwohl er bis jetzt noch nicht viel gesagt hatte, wahrscheinlich Fragen stellen wollen. Als er den Flughafen verlassen hatte und auf die Autobahn fuhr, machte er sich auf den Weg zu dem Luxushotel, in dem die Suite gebucht war. Upton Levington Manor Hotel, eingebettet in die Chiltern Hills nordwestlich von London, hatte einen prätentiösen Namen, der dem prätentiösen Interieur entsprach. Aber das Personal war nett und Adam hatte in den letzten Tagen den Pool und das Spa genossen. Zwischen kontrollieren und koordinieren und nochmaligem kontrollieren hatte er tatsächlich ein paar Stunden purer Entspannung untergebracht.

»Du solltest nicht hier sein«, murmelte Logan.

»Ich weiß, dass du dir wegen der Briefe Sorgen machst, aber es wird alles gut«, sagte Stacia mit leiser Stimme, aber nicht leise genug. So konnte Adam das und Logans Kommentar hören. Ohne es zu offensichtlich zu machen, lauschte Adam der Unterhaltung. Das Wort ›Briefe‹ hatte sein Interesse geweckt.

»Ich verstehe nicht, warum jemand denkt, dass es okay ist, so mit mir umzugehen«, antwortete Logan genauso leise. Adam nahm eine Bewegung im Spiegel wahr und erkannte, dass sich das Paar an den Händen hielt und sich nah aneinander lehnte. Es fiel auf, wie Stacias schlanker Körper eng an Logans gedrückt war.

»Du musst es ihm zeigen«, sagte sie. Adam runzelte die Stirn und blickte in den Spiegel, um zu sehen, wie Logan ihn direkt anstarrte. Er sah blass und aufgeregt aus und biss sich mit den Zähnen auf die Unterlippe. Adam wandte den Blick ab und sah zurück auf die Straße, bis sie wegen einer Baustelle anhalten mussten, wo sie ziemlich weit hinten in der Schlange standen. Er drehte sich um und sah Logan direkt an.

»Haben Sie noch einen Brief bekommen, Mr. Brady?«

»Bitte nennen Sie mich einfach Logan«, erinnerte Logan Adam. Seine Stimme klang erschöpft. »Ja, und persönlich an meinen Wohnwagen geliefert, als ich die Drehbücher für nächste Woche abholte. Dieselbe Handschrift.«

»Was steht drin?«

»Ich kann mich nicht genau erinnern. Er ist in meinem Koffer. Etwas darüber, mich in London zu sehen, ähm ... mehr von dem, was ich vorher hatte, glaube ich.« Er endete mit einem Schulterzucken und konnte Adam nicht mehr in die Augen sehen. Er erschien etwas verwirrt, und Adam könnte schwören, dass er etwas Angst in diesen verblüffend blauen Augen gesehen hatte. Stacia seufzte.

»Ich sage Ihnen, was da drin steht«, schnappte Stacia. »Der Wichser schrieb, er würde Isaac sehen, nicht Logan, sondern Isaac, in London und dass er ihn erwarten sollte. In dem Brief stand, dass Logan wissen würde, wer er sei, weil die Liebe so groß wäre, dass er ihn erkennen würde. Dann kam am Ende ein verrücktes P.S. — wer schreibt überhaupt noch P.S.? — das besagte, sie könnten nach dem Tod dann zusammen sein.«

Adam wusste nicht recht, was ihn mehr schockierte, die Worte über den Tod, die Tatsache, dass Logan die Augen schloss und sich in die Ecke des Autos zurückzog, oder das Fluchwort, das über die vollen rosa Lippen der Freundin gekommen war. Es schien, als hätte sie in dieser Beziehung die Hosen an. Er verdrängte die negative Annahme. Er kannte Logan nicht weiter, wusste nur das, was er im Internet gefunden hatte, und das war voller Klatsch und Anspielungen und Leuten, die seinen Kopf auf nackte Männerkörper bastelten. Nette Körper, zugegebenermaßen.

Wer war Adam, dass er beurteilen durfte, wie der andere Mann mit dieser Art von negativer Aufmerksamkeit umging, wenn er noch nicht miterlebt hatte, wie er mit positiver umging? Logan hatte Drohungen erhalten, die zu einer expliziten Todesdrohung eskaliert waren. Der Auftrag hatte sich gerade von schwierig zu fast unmöglich weiterentwickelt. Die Schlange bewegte sich ein wenig, als die Ampeln umschalteten; sie würden beim nächsten Mal durchkommen. Sie hatten also noch etwa fünf Minuten, da momentan der Verkehr aus der Gegenrichtung an ihnen vorbei strömte.

»Okay. Das ist nicht unbedingt schlecht, sondern eher was Positives«, sagte Adam.

»Was soll daran gut sein?«, schnappte Logan. Er blickte Adam an, und sein Gesichtsausdruck war aufgebracht. »Ich warte nicht auf einen Psychopathen, der schreit: ›Liebe nach dem Tod‹, um sich dann mit einer Waffe oder einem Messer auf mich zu stürzen und zu entscheiden, dass es eine gute Idee wäre, wenn ich heute sterben würde.«

»Statistisch gesehen ist eine Todesdrohung in einem solchen Brief nur ein Wunschausdruck«, erklärte Adam geduldig. »Dramatische Aussagen wie diese bedeuten nicht unbedingt, dass der Autor der Worte dich umbringen will. Es bedeutet nur, dass er oder sie dich buchstäblich zu Tode liebt.«

»Freaks«, schnappte Logan. »Ich möchte eigentlich nur schauspielen, aber der Sender zwingt uns, Spielchen mit den Fans zu spielen, Lügen darüber zu verbreiten, wer wir wirklich sind, und dann sieht man ja, wo das hinführt ...«

»Logan, Baby, bitte.« Stacia legte beruhigend ihre Hand auf Logans Arm, aber er schüttelte sie ab.

»Du verstehst das nicht, Stacia. Ich habe es satt zu lügen, wenn es bedeutet, dass sie dich auch verletzen könnten.«

»Welche Lügen?«, fragte Adam. Sein Blick traf im Spiegel auf Logans und er wusste, dass der in diesem Moment nicht darauf antworten würde.

Stacia durchbrach die peinliche Stille. »Wir besprechen das im Hotel, Lo.«

»Stacia—«

»Nicht hier.«

Die Ampel sprang um, und Adam konzentrierte sich wieder auf die Straße. Über die Lügen, die Briefe und die sehr reale Angst in Logans Augen nachzudenken war beunruhigend. Er kannte nicht alle Details und das gefiel ihm nicht.

Innerhalb der nächsten zehn Minuten fuhren sie vor dem Hotel vor, und Adam parkte rückwärts ein. Alte Gewohnheiten ließen sich nur schwer verändern, und er hatte in seinem Leben genug gesehen, um einen möglichst einfachen Fluchtweg zu bevorzugen, wann immer es ging. In seinem Kopf schob er die Wut, die Logan verspürte, genauso beiseite wie die Angst, die seine Freundin hatte. Dass er sie mitbrachte, das machte seinen Job noch schwieriger. Logan würde nicht nachvollziehbare Sachen machen, sich wie ein Idiot benehmen und nicht tun, was ihm gesagt wurde. Was Stacia betraf, so sah sie fähig und selbstbewusst aus, aber sie war nicht dafür geschaffen, sich selbst zu verteidigen.

Es schien, als wäre sein Ein-Personen-Auftrag definitiv zu einem Zwei-Personen-Auftrag geworden.

Großartig.


Kapitel 4

Adam geleitete Logan und Stacia ins Hotel, und nach einer sehr höflichen und unterwürfigen Begrüßung durch den Manager und verschiedene Mitarbeiter schafften sie es in die große Suite. Die weitläufigen Räume nahmen den gesamten Westflügel eines alten Herrenhauses aus dem 18. Jahrhundert ein. Drei Schlafzimmer, ein großes Wohnzimmer, ein separates Esszimmer. Es war das beste Hotel in Buckinghamshire. Adam hatte bereits das kleinste Zimmer bezogen und seine spärliche Ausrüstung dort verstaut. Logan und Stacia steuerten das größte Schlafzimmer mit dem riesigen Himmelbett und dem Whirlpool im Bad an. Adam hatte dieses Badezimmer in der letzten Nacht schon benutzt und eine Stunde damit verbracht, an die Decke zu starren und über das Leben nachzudenken. Er versuchte immer, sich in der Nacht vor dem Job zu entspannen, seinen Kopf sozusagen ins Spiel zu bringen. Laute Stimmen drangen durch die Wand und die halb offenstehende Tür.

»Du musst nach Hause fahren«, betonte Logan. »Ich wünschte, du wärst nie mitgekommen.« Er klang nicht wütend, sondern resigniert und traurig. »Bitte fahr zurück nach L.A.«

»Denkst du, ich lasse mir von ein paar Worten Angst einjagen?« schnappte Stacia. »Ich bin hier mit dir und einem Bodyguard wesentlich sicherer.«

»Was denkt Bryan darüber? Weiß er überhaupt davon?«

Adam machte sich eine geistige Notiz, dass er herausfinden müsste, wer Bryan war. Ein Bruder vielleicht? Er war nicht hier, um ein Verbrechen aufzuklären, er war hier, um Logan zu beschützen, aber wenn er herausfinden konnte, warum und von wem diese Briefe verschickt wurden, dann war das ein Bonus.

»Ich habe es ihm nicht gesagt«, sagte Stacia resigniert. »Du weißt genau, dass er ausflippen würde.«

»Natürlich würde er das. Weil er befürchtet, dass ich dich in die Schusslinie bringe...«

»Ernsthaft, Lo, beruhig dich. Nichts wird dir oder mir passieren, solange der süße Blonde auf uns aufpasst.«

»Mensch, Stacia, du bist wie eine Schwester für mich. Was du für mich tust, könnte dich in Gefahr bringen...«

»Was wir füreinander tun«, unterbrach Stacia scharf.

»Nein. Du brauchst mich nicht, um der Welt zu beweisen, wie außergewöhnlich du bist. Was du für mich tust, kann ich dir nicht vergelten...« Logans Stimme klang sehr emotional. Da war eindeutig Liebe zwischen den beiden. Aber was meinte Logan damit, dass Stacia wie seine Schwester sei?

»Logan Brady, du hast mich zu nichts gezwungen. Und jetzt schlage ich vor, dass du leise sprichst, wenn du nicht willst, dass der Held im nächsten Zimmer die richtigen Schlüsse zieht. Geheimnisse bleiben geheim, das ist der Deal.«

Die nächsten Worte wurden viel leiser gesprochen und Adam trat von der Tür weg. Logan hatte Geheimnisse — warum überraschte ihn das nicht? Würden sie den Fall beeinflussen? Waren Logan und Stacia überhaupt ein Paar? Und was bedeutete der Kommentar, dass sie wie eine Schwester sei? Wer zum Teufel war Bryan und warum würde dieser Bryan wütend sein, wenn er herausfand, dass Stacia möglicherweise in Gefahr war? Musste Adam etwas darüber wissen, um Logan zu beschützen? Und, im weiteren Sinne, auch Stacia?

Er würde abwarten. Logan und Stacia sollten am nächsten Morgen um neun Uhr im Tagungshotel sein. Niemand wusste, dass sie hier in diesem abgelegenen Hotel waren, und die Sicherheitsvorkehrungen waren ausgeklügelt. Adam beschloss, etwas zu essen, etwas zu schlafen und zu hoffen, dass alles gut ging.

Aber zuerst musste er sich melden. Er zog die Tür zu und wählte Bodyguards Inc. Ross antwortete beim ersten Klingeln.

»Kannst du mir alles über Stacia Monet besorgen und was sie mit Logan Brady zu tun hat? Sie ist seine Freundin und ist mitgekommen.«

»Hallo zurück«, sagte Ross mürrisch. Offenbar verlief sein Tag nicht gut.

»Himmel, du willst auch noch Höflichkeit? Hat wieder jemand deinen Tacker angefasst?«

»Fick dich, Adam. Ich suche zusammen, was ich finde und schicke es dir aufs Handy.«

»Und ein Bryan, kein Nachname, ist der irgendwie mit Stacia verbunden? Ein Bruder vielleicht, kannst du da mal tiefer graben?«

»Es geht hier um Hollywood, also könnte es eine Dreierbeziehung sein«, sagte Ross.

»Nicht hilfreich, Ross.«

Ross lachte. »Was weiter, Blondie?«

»Das war’s. Und hör auf, mich Blondie zu nennen, oder der Tacker landet das nächste Mal in der Toilette.«

Er beendete das Gespräch und trat ins Wohnzimmer. Er sah Logan nirgendwo, aber Stacia saß auf dem Sofa, drehte ihr Telefon in den Händen und starrte aus dem Fenster. Sie erschrak bei seinem Eintreten, aber der kleine Satz, den sich machte, ging fließend über in eine Bewegung, mit der sie ihre Beine unter sich schob. Sie klopfte mit dem Telefon nachdenklich auf ihr Knie.

»Ich vermute, dass Sie etwas von unserem Streit mitgekriegt haben«, sagte sie ohne Einleitung.

Adam überlegte, ob er lügen sollte. Nichts von dem, was in der Beziehung zwischen Logan und Stacia vor sich ging, ging ihn wirklich etwas an, es sei denn, es hatte eine Auswirkung sich auf seinen Fall.

»Bodyguards hören nie etwas«, sagte er schließlich trocken. Das war auch meistens wahr. Er war direkt hinter Staatschefs gestanden und hatte Dinge gehört, die ihm Millionen einbringen konnten, aber kein Wort davon war je über seine Lippen gekommen. Diskretion war unabdingbarer Teil seiner Arbeit.

»Logan und ich führen eine unkonventionelle, aber engagierte und außenwirksame Beziehung«, sagte sie. Ihre Worte klangen einstudiert, wurden aber mit Überzeugung gesprochen und von einem Nicken unterstützt. Sie erwartete einen Kommentar von ihm.

»Ihre Beziehung zu Mr. Brady geht mich nichts an«, antwortete Adam schnell.

»Ich liebe Logan, Adam. Es spielt keine Rolle, was Sie sonst noch für wahr halten oder nicht, aber lassen Sie nicht zu, dass das, was Sie hören, dazu führt, dass er auf der Convention verletzt wird. Nehmen Sie das so ernst wie möglich.«

»Sie müssen sich keine Sorgen machen. Ich werde auf ihn aufpassen.«

Stacia entspannte sich bei dieser Aussage und atmete aus. Dann, mit einem Lächeln im Gesicht, entschied sie sich ganz klar dafür, sich so zu verhalten wie alle seine anderen Klienten auch.

»Kommt es nur in Filmen vor, dass der Leibwächter die Kugel abfängt?«, fragte sie.

Adam lächelte. Das war immer eine der ersten Fragen, die ihm von Klienten gestellt wurden. War die Arbeit des Bodyguards so wie in den Kevin-Costner-Filmen? Was geschah, wenn einer seiner Klienten in der Schusslinie war oder mit einem Messer bedroht wurde?


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